Seit dem 01.01.2022 sind Versorger, die Kunden mit Fernwärme oder Fernkälte beliefern, zu neuen Bestimmungen nach der FFVAV (Fernwärme- oder Fernkälte-Verbrauchserfassungs- und -Abrechnungsverordnung) verpflichtet. Wir haben für Sie die wichtigsten Punkte für Versorger zusammengefasst.

Rollout Pflicht für fernauslesbare Messeinrichtungen ab 05.10.2021 bis spätestens 31.12.2026

Zur Ermittlung eines nachvollziehbaren und transparenten Verbrauchs hat ein Versorgungsunternehmen Messeinrichtungen vor Ort bei Endkund:innen zu verbauen, die nicht nur mess- und eichrechtlichen Vorschriften entsprechen, sondern auch fernauslesbar sind.

Fernauslesbar bedeutet, dass Verbrauchsdaten sicher über z.B. IoT-Funktechnologien oder Smart Meter Gateways (SMGW) abgelesen werden können.

Die Pflicht zur Fernauslesbarkeit gilt für Messeinrichtungen, die nach dem 05. Oktober 2021 installiert wurden. Alle vorher installierten, nicht fernauslesbaren Messeinrichtungen müssen bis zum 31. Dezember 2026 für eine Fernauslesbarkeit nachgerüstet oder ausgetauscht werden.

Dabei darf keine proprietäre Technik verbaut werden, d.h. fernauslesbare Messeinrichtungen müssen interoperabel mit gleicher Art anderer Hersteller sein, damit unabhängig von der Person Daten ausgelesen werden können. Dabei muss der Datenschutz und Datensicherheit gewährleistet werden und Schutzprofile sowie technische Richtlinien vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) eingehalten werden.

Falls durch den Smart Meter Rollout bereits ein entsprechendes Gateway für die Messung des Stromverbrauchs installiert ist, können Anschlussnehmer:innen nach § 6 Nr. 1 MsBG verlangen, dass die Messung des Fernwärme- oder Fernkälteverbrauchs über das Smart Meter Gateway erfolgt. Über dieses SMGW sollen langfristig alle Daten zum Storm-, Wärme- und Wasserverbrauch fließen, da hier alle Datenschutzpflichten nach BSI nachweislich erfüllt sind.

Falls ein Versorger sich weigert, die Messung über das SMGW auszuführen, können Anschlussnehmer:innen einen wettbewerblichen Messstellenbetreiber auswählen, der dieser Forderung nachkommt. Wiederum dürfen Versorger hiermit verbundene Kosten Anschlussnehmer:innen in Rechnung stellen.

Bereitstellung der Abrechnungs- und Verbrauchsinformationen

Versorger müssen ihren Kund:innen Rechnungen und weitere Informationen bereitstellen. Dabei sind folgende Punkte zu beachten:

  • Unentgeltlich übermitteln, auf Wunsch auch elektronisch (z.B. Brief oder E-Mail)
  • Kosten für die Fernauslesbarkeit, aber auch Einsparungen durch Entfallen der Vor-Ort-Ablesung, müssen transparent mitgeteilt werden
  • Bei nicht-fernauslesbarer Messung während Übergangsfrist bis 31.12.2026: Abrechnung 1x pro Jahr auf Basis des tatsächlichen Verbrauchs oder Schätzung
  • Bei fernauslesbarer Messung ab 01.01.2022: monatliche Abrechnung 12x pro Jahr

Inhalt und Transparenz der Abrechnungen

Folgende Basis-Informationen müssen unentgeltlich und verständlich bereitgestellt werden:

  • Tatsächlich geltende Preise und der tatsächliche Verbrauch
  • Informationen über die eingesetzten Energieträger, daraus resultierenden Treibhausgasemissionen und darauf bezogene Steuern, Abgaben und Zölle im letzten Abrechnungsintervall (12 Monate)
  • Vergleich des gegenwärtigen Verbrauchs im Vergleich zum Vorjahreszeitraum als grafische Darstellung
  • Allgemeine Kontaktinformationen und Informationen zu angebotenen Energieeffizienzmaßnahmen sowie energiebetriebenen Geräten
  • Informationen über Beschwerdeverfahren und Schlichtungsstellen
  • Vergleichsdaten zu anderen Durchschnittskunden derselben Nutzerkategorie (alternativ online z.B. im Kundenportal)
  • Informationen zum Anteil erneuerbarer Energien im Fernwärme-/Fernkältenetz und über den resultierenden Primärenergiefaktor

Energiedienstleister dürfen Informationen und historische Verbrauchsdaten für weitere Services verwenden. Versorger müssen diese Daten auf Wunsch der Kund.innen bereitstellen.


Daten sollten nicht nur zur Abrechnung genutzt werden – hier schlummert großes Potenzial für Versorger und Kund:innen.

Welches Potenzial sehen wir hier?

Versorger werden mittel- und kurzfristig dazu gezwungen fernauslesbare und intelligente Messeinrichtungen auszurollen, diesen Aufwand zu tragen und stetig Daten zu erfassen und abzurechnen. In diesen Daten steckt aber mehr Potenzial als nur eine Abschlagszahlung. Folgende Services können Sie mit uns entlang der gesamten Wertschöpfungskette vom Erzeuger über Netze bis zum Verbraucher umsetzen:

Beispiel: Simulation von Zukunftsszenarien anhand von Preis- und Verbrauchsentwicklungen, um den Wärmebedarf und Kosten vorherzusagen.

  • Erzeugung: Fahrpläne können optimiert, Brennstoffe gespart und erneuerbare Energien besser integriert werden. Das senkt die Emissionen und verbessert en Primärenergiefaktor.
  • Netzbetrieb: “Schlechte” Übergabestationen bei Verbrauchern werden erkannt, Maßnahmen geplant und umgesetzt.
  • Verbraucher: Ungenaue Nebenkostenabrechnungen sowie Streitigkeiten gehören der Vergangenheit an. Fehlplanungen können schnell behoben werden. Energieeffizienzmaßnahmen schneller umgesetzt, bewertet und auf Versorgerseite für die Erzeugung eingeplant werden.

Kontaktieren Sie uns gerne hier für eine kostenfreie Potenzialanalyse.

Quellen: FFVAV – Verordnung über die Verbrauchserfassung und Abrechnung bei der Versorgung mit Fernwärme oder Fernkälte, Bundesministerium der Justiz (zuletzt aufgerufen am 18.01.2022)